aus dem Buch von William Blatty "Der Exorzist"


Wir sind vertraut mit der Ordnung, der Beständigkeit, der immerwährenden Erneuerung der materiellen Welt, die uns umgibt. So hinfällig und vergänglich auch jeder kleinste Teil dieser Welt ist, so rastlos und flüchtig auch ihre Elemente sind – sie bleibt dennoch bestehen. Sie wird von einem Gesetz der Permanenz zusammengehalten; und wenn sie auch immer wieder stirbt, so kommt sie doch immer wieder zum neuen Leben. Jede Stunde, die kommt und vergeht, ist Zeuge dafür, wie unbeständig und dennoch wie sicher, wie fest gefügt das Große, Ganze ist. Es ist wie ein Spiegelbild auf dem Wasser, das immer dasselbe bleibt, auch wenn das Wasser unablässig weiterfließt. Die Sonne sinkt, um wieder aufzugehen; der Tag wird vom Dunkel der Nacht verschlungen, nur um von neuem aus ihr geboren zu werden – so frisch, als wäre er nie erloschen. Der Frühling geht in den Sommer über, und dann durch Sommer und Herbst in den Winter, nur um durch seine endliche Wiederkehr um so herrlicher über das Grab zu triumphieren, auf das er von seiner ersten Stunde an unweigerlich zueilt. Wir trauern über die Blüten des Mai, weil sie zum Welken bestimmt sind; aber wir wissen, dass eines Tages der Mai den November besiegen wird – besiegen durch das Kreisen dieses erhabenen Zirkels, der niemals stillsteht. Und der uns lehrt, auf dem Höhepunkt erfüllter Hoffnungen stets nüchtern zu bleiben und in der Tiefe der Trostlosigkeit nie zu verzweifeln.

John Henry Newman „Zweiter Frühling“ (aus dem Buch von William Blatty „Der Exorzist“)

Universum

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